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Neues von Samba - Ich kann jetzt auch Kindermädchen

Vor 10 Wochen bin ich an das Ponygehege gekommen. Vorher habe ich bei meinem Züchter in den Tag hineingelebt und bin einfach nur gewachsen. Am ersten Tag nach meiner Ankunft wurde ich gleich eingeschult – Kindergarten hielt man bei mir nicht für nötig. In der Sportponyschule gibt es täglich Unterricht, sieben Tage in der Woche und der Lehrplan ist ziemlich voll. Aber auch sehr abwechslungsreich.

Ein Hauptfach war gleich am Anfang „Erlebnispädagogik mit Kindern“. Ernsthaft. Denn das Ponygehege macht viele Aktionen mit Kindern und da müssen die Ponys mitarbeiten. Dafür reichte meine Kondition schon. Ich dachte mir, was gibt es da viel zu lernen. Man latscht einfach hinter seinem Mädel her und diese Kindergartenkinder sind vom Gewicht her für mich ja so, als ob ich ein Designerhandtäschchen tragen würde.

Das war der erste Irrtum: Hinterherlatschen ist nicht gefragt. Ich muss bei Fuß gehen, aber sowas von, da kann sich so mancher Schäferhund noch eine Scheibe von Abschneiden. Das bedeutet: Der Mensch geht einfach seines Weges und ich muss selbständig Abstand und Geschwindigkeit zu ihm halten, weil, so dachte ich, der Mensch zu faul ist, mir ständig Kommandos zu geben. Das war gleich der nächste Irrtum. 

In dem wurde ich noch bestärkt, weil man mit großem Aufwand dafür gesorgt hat, dass ich alle Abläufe bei Kinderaktionen genau kenne und sehr darauf geachtet hat, dass ich mich selbstständig situationsangepasst verhalte.

Eine junge Reiterin hat als „Dummy-Kind“ mit mir alle Situationen durchgespielt, mit denen ich beim Umgang mit Kindern so rechnen muss. Sie ist ausgiebig auf mir herumgeturnt. Auch die Besonderheit, wenn ein Elternteil das Kind mit beiden Händen festhält und sich beim Laufen an mich anlehnt. Dann darf ich nicht ausweichen und mich schon gar nicht gegenlehnen, obwohl das durchaus bequem ist. Es sei denn, das Elternteil ist Kraftsportler. Dann kann ich ihm noch eine Übungseinheit bieten. 

 

Bei den Ponyreitübungen war ich dann, irgendwie ganz zufällig, plötzlich das Führungspony in der Karawane. Obwohl mir das unheimlich war, war es natürlich eine Frage der Ehre gegenüber meinen Herdenkameraden hinter mit, mutig voranzugehen. So habe ich dann schnell die Erfahrung gemacht, dass Unbekanntes eben unbekannt, aber nicht zwangsläufig gefährlich ist und man es gelassen zur Kenntnis nehmen muss. Insbesondere wenn man ein so starkes Pony ist, wie ich es bin. 

 

Beim Training mit meinem Dummy Kind auf dem Sandweg ist mir dann etwas aufgefallen, was ich echt peinlich finde: Ich kann nicht gerade gehen. Also geradeaus schon, aber ich schlendere immer so ein bisschen nach links und rechts. Das ist auf der Koppel völlig unproblematisch, auf dem Sandweg mit Kinderwagen von vorne und Fahrradfahrern von hinten schon. Man sieht es auch auf dem Bild: Meine Herdenkameraden laufen spurgenau eng am Zaun entlang – ich eher nicht

Aber es besteht kein Grund zur Sorge: Das Problem haben alle jungen Ponys nicht nur ich. Deswegen gibt es in der Sportponyschule auch noch ein weiteres Hauptfach. Das nennt sich „Gerade richten“. Da gibt es verschiedene bewährte Methoden, mit denen ich das lernen kann. Denn das ist nicht nur für den Sandweg sehr wichtig.

Dann kam das Ponyreitfest – quasi die erste Klassenarbeit. Ein Gewusel von Erwachsenen mit Kindern und ich mittendrin. Ich bin stundenlang auf verschiedenen Strecken mit immer neuen Kindern gelaufen. Aber ich habe mich sicher gefühlt, weil man all die Dinge mit mir vorher ja geübt hatte.

Und dann kam die Abschlussprüfung – der Ferienpass. Das waren zwar weniger Kinder aber das Programm ging vier Tage lang und es war nicht nur das übliche Ponyreiten. Wir haben deutlich längere Ausritte gemacht, ich habe mich schmücken und glittern lassen und mich von kleinen Kindern über Hütchen- und Stangenstrecken führen lassen – einschließlich rückwärts einparken. Oh Mann, dabei habe ich das vor wenigen Wochen erst selbst gelernt. Aber keiner hat es gemerkt.

Ich habe jetzt auch verstanden, dass es keine Faulheit ist, wenn die Menschen von mir so viel selbstständig situationsangepasstes Verhalten verlangen. Mein Mädel musste ja bei der Ferienpassaktion immer auch auf mehrere Kinder aufpassen und sich daher hundertprozentig auf mich verlassen können, dass ich schon weiß, was zu tun ist, ohne sich groß auch noch mit mir beschäftigen zu müssen.

Das ist also echte Teamarbeit und was die Erlebnispädagogik angeht, bin ich jetzt mit den Mädels als Partner auf Augenhöhe. Das haben wir also schon mal erledigt und jetzt geht es an das Reiten. Davon berichte ich dann ein anderes Mal.

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